Samstag, 31. Oktober 2015

Selbst gelesen....

Im Urlaub hatte ich Zeit zu lesen und mitgenommen hatte ich mir das vielumworbene Buch von Dörte Hansen "Altes Land".
 
Das "Alte Land" kenne ich gar nicht. Dabei wohne ich nur auf der anderen nördlichen Elbseite, also gar nicht weit weg. Mit der Fähre ist es eigentlich ganz nah und doch bin ich noch nie in Stade gewesen. Eigentlich müsste ich das jetzt mal ändern.  
 
 
 
Im Grunde hätte das Buch aber auch in der Wilstermarsch oder einer anderen ländlichen Gegend spielen können. Im Mittelpunkt steht für mich ganz klar der Begriff "Heimat".
 
Wie wichtig der Begriff "Heimat" ist, wurde mir eigentlich erst während des Lesens deutlich. Und ist aktueller denn je zu vor. Ich lebe mit meiner Familie immer noch in der Stadt, in der ich geboren wurde, in der ich zur Schule gegangen bin, in der alle meine Freunde, mein ganzer Halt ist - in meiner Heimat. Wie man sich fühlt, wenn man unter widrigen Umständen aus einem so sicher geglaubten Lebensraum vertrieben wird, können sich die meisten von uns gar nicht vorstellen. Auch ich nicht. Das Buch gibt tiefe Einblicke in Seelen, die ihre Heimat verloren haben, die vertrieben wurden, die aus ihren Wurzeln gerissen wurden.  Und, die es in ihrem ganzen Leben nicht geschafft haben eine Heimat, einen Halt in ihrem Leben wiederzufinden. Die irgendwo festwachsen, nicht loslassen können und trotzdem nicht ihr Glück finden.
 
"Die meisten [..] blieben heimwehkranke Wanderer ihr Leben lang."
 
Wie ein Episodenfilm schlängeln sich die unterschiedlichsten Charaktere durch das Buch, erzählt wird von der Flucht aus Ostpreußen bis hin zu hippem Großstadtleben in Hamburg Ottensen.
 
"Die Mütter von Hamburg-Ottensen hatten es fast immer eilig. Sie schoben ihre Kinderwagen wie Kofferkullis, als wären sie Reisende auf einem Flughafen, die dringend ihre Gates erreichen mussten, um nicht die Anschlussflüge zu verpassen."
 
Erzählt werden Geschichten von jungen Leuten, von alten Leuten, von Leuten, die auf dem Land leben, von Leuten , die in der Großstadt leben, von Leuten, die allein leben, von Leuten die in Großfamilien leben, von Müttern und von Töchtern,  und alle tragen ihre eigenen mehr oder weniger großen Päckchen mit durchs Leben.
 
So facettenreich und tiefschürfend wie von Dörte Hansen erzählt, habe ich lange kein Buch mehr gelesen. Und ich kann es nur jedem ans Herzen legen, denn es berührt.

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