Mittwoch, 14. Februar 2018

Wie ich ein Kleid zum Pullover machte....

Das Schnittmuster Frau Polly von Fritzi Schnittreif verspricht ein gemütliches Sweatkleid mit Rollkragen. Wer die Schnittmuster aus der Feder von Anja und Britt, den beiden Köpfen hinter Fritzi Schnittreif, kennt, weiß, dass es sich bei ihren Ideen immer um bequeme alltagstaugliche Kleidung handelt, die gut sitzt.

Als ich das Schnittmuster kurz nach seinem Erscheinen das erste Mal auf dem Lillestofffestival im September 2017 gesehen hatte, war der Funke bei mir sofort übergesprungen. Ein schlichter Schnitt, wie ich ihn liebe, mit schmalen Raglanärmeln, einem großen kuscheligen Kragen und einer ansonsten sehr legeren, aber nicht zu voluminösen Weite.  


Und daher habe ich nicht lange überlegen müssen.Das Schnittmuster reiste mit mir nach Hause, wo es dann zu meiner Schande erst einmal seinen Platz in der Ablage fand, anstatt gleich in das nächste Nähprojekt umgesetzt zu werden.


Der Schnitt wurde erst wieder hervorgeholt, als plötzlich der passende Stoff vor meinen Augen erschien: ein dunkelblauer Viskosetrick als Romanitstoff, gekauft in Laras Onlineshop "1000 Stoff". Dieser als Doubleface Jersey verarbeitete Strickstoff ist gut dehnbar und besitzt trotzdem eine angenehme Festigkeit. Er ist dicker als normaler Jersey , aber dünner als ein reiner Sweatstoff. Der Stoff besticht durch seine edle Oberfläche und fällt angenehm, ohne dass sich etwas abzeichnet. Es war einfach der perfekt Stoff für diesen Schnitt.




Und da ging das Dilemma wieder von vorn los. Schnitt und passender Stoff, den ich sogar sofort nach der Lieferung gewaschen hatte, lagen verarbeitungsfertig auf meinem Nähtisch. Und es sollte erst wieder eine ganze Zeit verstreichen, bevor die beiden unter der Nähmaschine landeten.

Schnittmuster und Stoff habe ich nicht wieder weggeräumt, sie lagen gut sichtbar auf der Arbeitsfläche . Ich streichelte immer mal wieder den Stoff, sah mir das Schnittmuster mit den Bildern an und hatte aber überhaupt keinen Antrieb, mit diesem  Projekt zu starten. 

Als dann Anfang Februar das Nähwochenende in Lüneburg immer näher rückte, stand für mich sofort fest, dass es das Wochenende für meine Frau Polly werden würde. Und , ihr ahnt es wahrscheinlich schon lange, als ich eine Woche vorher den Stoff zuzuschneiden wollte, ging ich noch einmal ganz tief in mich und wusste : Ich würde dieses Kleid bestimmt gern tragen, aber so wie ich mich kenne, leider viel zu selten. Das war schon immer so und das wird sich auch in der Zukunft nicht ändern, da bin ich mir ziemlich sicher. Als geborener Hosentyp trage ich zwar ab und an gern Rock und Kleider, sie werden aber nie meine erste Wahl beim Griff in den Kleiderschrank werden. Also wurde aus dem Kleiderschnitt Frau Polly kurzerhand der Pullover Frau Polly. 



Diese Variante haben schon einige Näherinnen vor mir ausprobiert und ich bin gern mit auf den Zug gesprungen. Dabei habe ich das Rückenteil, genau wie bei dem Kleid, aus zwei Teilen genäht. Dies gibt dem Pullover von hinten eine schöne Form und sieht interessant aus. 

  

Die Raglanärmel sitzen etwas tiefer und geben dem Schnitt dadurch in der Oberweite eine legere Form. In Brusthöhe sind zwei Abnäher vorgesehen, die ich allerdings bei diesem Schnitt auch gern weglassen würde. Bei Brustabnähern sei es geraten, vorher die Höhe der Abnäher zu kontrollieren. Die Spitze sollte immer auf die höchste Stelle der Brust weisen, um einen optimalen Sitz zu unterstützen. Wie ihr hier bei mir seht, ist es mir, trotz Anhaltens, nicht gelungen die korrekte Höhe zu erreichen. Ich hätte die Abnäher ein, zwei Zentimeter nach oben verschieben oder einfach ganz weglassen sollen.


Der Rollkragen wird einfach als vorgegebenes Rechteck zugeschnitten, einmal der Länge nach gefaltet und an den Halsausschnitt genäht. Ich habe hier statt der im Schnittmuster vorgegeben Höhe von 38 cm, nur knapp 30 cm genommen. Durch die geringere Höhe und den toll fallenden Romanitjersey klappt es wie zufällig immer schön herunter und muss nicht gekrempelt werden.



Die Ärmel habe ich auf dreiviertel Länge gekürzt. Ich mag dies sehr gern, da ich bei Pullovern sonst ständig die Ärmel hoch schiebe.
Der verkürzte Rollkragen und die Dreiviertel Ärmel haben es mir dann schlussendlich auch erlaubt aus dem Reststoff, der ursprünglich für das Kleid geplant war , noch eine bequeme Hose für zuhause zu nähen.  

Und so endete die Odysse von neuem Schnitt, der mich sofort begeisterte, dann erst in der Ablage versschwand, auf den richtigen Stoff wartete, der dann ein paar Monate später, wie durch Zufall erschien, und die geistige Eingebung, kurz vorm Zuschneiden, nach einer etwas längeren Nähabstinenz, die so zu einer optimalen Verwertung des Stoffes und einer hohen Tragegarantie beider Teile führte.

Kennt Ihr solche Entstehungsprozesse auch? Ich bin gespannt ......



Und das Interessanteste zum Schluss:
Schnitt: Frau Polly von Fritzi Schnittreif, genäht in Größe XL, auf Pulloverlänge gekürzt
Stoff: Romanitjersey, gekauft bei 1000 Stoff, zur Zeit nur noch in Rot lieferbar
verlinkt bei RUMS


Kommentare:

  1. Dein Pulli sieht total klasse aus!
    Schlicht, aber durch den Kragen, den Raglanärmeln und der Rückenteilung sehr edel!
    Bei mir schlummern auch so einige Schnittmuster auf meinem Laptop. Immer wieder greife ich zu welchen, die ich schon oft genäht habe. Da weiß ich dann auch genau, das sie passen.
    Ganz liebe Grüße Katrin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Katrin,
      Eigentlich greife ich auch oft auf erprobte und bereits an meine Bedürfnisse angepasste Muster, habe sogar neulich ganz radikal ausgemistet in meinem schnittmusterordner, aber soviel Sachen Nähe ich ja nicht für mich und dann darf es natürlich auch gern mal was neues sein.

      Löschen
  2. Blau, Blau, Blau sind alle meine Kleider, halt stopp, Pullis..............Teamblau geht immer und an dir sieht es immer gut aus. Ich finde den Schnitt an dir toll, ich bin nicht so für Roll- bzw. Schalkragen zu haben.
    Ich habe hier auch so ein paar Schnitte liegen, wollte ich unbedingt haben und jetzt fehlt die Umsetzung oder der passende Stoff oder der Stoff ist da und der Schnitt passt dich nicht dazu. Irgendwann findet jeder Topf seinen Deckel.
    Liebe Grüße
    Martina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau, manchmal ist es sogar gut, wenn man nicht gleich mit einem Projekt startet und noch mal genauer überlegt, ob die ersten Ideen wirklich so gut passen. Man muss bloß aufpassen, das man sich dabei nicht verzettelt und nachher gar nicht mehr weiß, was man denn eigentlich nähen möchte. Liebe Grüße , Kirsten

      Löschen
  3. Das Dilemma kenne ich...ich mag Kleider an anderen so sehr und würde gerne welche selber haben, aber fast nur für den Schrank zu nähen will ich auch nicht. Der Pulli ist toll geworden und der Stoff sieht traumhaft schön aus.
    Liebe Grüße,
    Lee

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Lee,
    so ist das mit den Hosenliebhabern, aber ich finde, es gar nicht schlimm, man sollte immer das Nähen , worin man sich selbst am Wohlsten fühlt.
    Liebe Grüße, Kirsten

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden, der hier gern einen Kommentar schreiben möchte.
Wenn Du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegeben Formulardaten ( und unter Umständen auch weitere Personenbezogenen Daten , wie z.B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest Du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.