Mittwoch, 11. Juli 2018

Brauche ich immer wieder neue Schnittmuster?

Der Markt für Schnittmuster ist groß. Suche ich ein Schnitt für ein bestimmtes Kleidungsstück werde ich schnell fündig. Denn ehrlich gesagt, suche ich meine Schnittmuster eher selten, sondern sie finden mich. Wie das?



Das Nähen hat in den letzten Jahren eine regelrechte Renaissance erlebt und so stieg mit der Nachfrage natürlich auch das Angebot an Schnittmustern. Neben den traditionellen Nähzeitschriften etablierten sich neue Herausgeber, die Auswahl an Schnitten von eigenen Labels/Designern wächst gefühlt täglich. Wenn ich im Buchladen vor dem Regal mit der Aufschrift "Hobby" stehe, bin ich immer wieder fasziniert, wie bunt und vielfältig die Literatur mit dem Nähtrend umgeht. Auch dort stehen immer wieder neue Bücher, die Schnittmuster zum Nachnähen enthalten.




Auch mein eigener Schnittmusterfundus steigt von Jahr zu Jahr. Ich bevorzuge Einzelschnittmuster, besitze aber auch einen ansehnliche Anzahl an einschlägigen Nähzeitschriften und das Bücherregal steht kurz vor dem Zusammenbruch. 


Da stellt sich unweigerlich die Frage: "Brauche ich wirklich noch weitere neue Schnittmuster?" 


Ich nehme als Beispiel T-Shirts. Genau nachgezählt habe ich natürlich nicht, aber bestimmt befinden sich in meinem Nähzimmer mehr als zehn Schnitte dazu. Von unterschiedlichen Körperlinien (tailliert, lässig, kurz, lang) mit allen Ausschnitts- und Ärmelformen. In jeder Nähzeitschrift ist garantiert ein Shirt-Schnittmuster und ich habe sogar ein Buch mit Baukastenprinzip und kann mir meine Shirts je nach Belieben selber zusammenstellen. Ehrlich, wozu brauche ich da noch weitere Shirt Schnittmuster?




Ich kenne inzwischen meine Figur, habe viele Schnittmuster ausprobiert, weiß in welcher Form ich mich wohl fühle und habe natürlich, wie jeder von uns, meine ganz persönlichen Vorlieben. ich bin bekennender Fan von Raglannähten. Auch dazu habe ich bestimmt vier unterschiedliche Schnittmuster bei mir liegen. Rein vom Verstand sage ich,  das reicht. Darunter gibt es besonders eins , das mir persönlich sehr gut gefällt und das ich gern immer wieder nähen werde. 


Aber ihr ahnt schon, worauf ich hinaus will, oder?


Irgendwie ist das dann doch nicht so? Es gibt dann immer wieder neue Schnittmuster, die natürlich nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, wo aber immer eine Kleinigkeit anders ist. Man sieht die Muster und ist im Kopf angefixt von irgendeinem Detail, dass einen im Unterbewusstsein irgendwie angesprochen hat. Und schwupps , ist da dieser Drang, ich muss unbedingt auch mal dieses Schnittmuster ausprobieren.



Immer mal wieder etwas Neues ausprobieren, nicht auf der Stelle stehen bleiben, das liegt in der Natur der meisten Menschen. Und Näherinnen sind da definitiv besonders anfällig für (*lach*).

Und genau aus diesem Grund ist auch das Shirt No. 1 von JuniDesign bei mir eingezogen. Ich habe es mir tatsächlich jetzt erst gekauft, weil ich lange dachte, ich bräuchte nicht noch ein weiteres Schnittmuster. Aber tief drinnen in mir arbeite es immer weiter und dann habe ich einfach gemacht. Ich habe das Schnittmuster bei Nina gekauft und gleich ausprobiert. 


Diese Neugierde fasziniert mich immer wieder beim Nähen. Wie wird das Kleidungsstück letztendlich werden? Wird es mir gefallen oder werde ich eher enttäuscht sein? Werde ich es selber noch nach meinen Vorstellungen leicht abändern oder nähe ich genau nach Anweisung? 


Hier seht ihr mein zweites Shirt No. 1 aus einem tollen leuchtend Viskosejersey, den ich Dominique aus ihrem Stoffflohmarkt abkaufen konnte. Genäht in Größe L, genau nach Anleitung, ohne Änderungen. Bei diesem Schnitt waren es die beiden Raglannähte auf dem Rücken, die mich sofort angesprochen haben und die mir dann auch nicht wieder aus dem Kopf gingen. 



Und wenn ich ehrlich mit mir selber bin, wird es auch zukünftig so weiter gehen. Ich werde weiter beobachten, welche neue Schnittmuster auf den Markt kommen (dafür kann ich übrigens nur den Sonntagsschnack von Fredi empfehlen, die jeden Sonntag das Neueste aus der Nähszene wunderschön zusammenfasst), wenn mir dort etwas ins Auge springt, das mir gefällt, werde ich als Erstes die Frage stellen, brauche ich das Schnittmuster wirklich? Habe ich nicht schon ein Ähnliches? Ist diese wirklich so viel anders?

Und dann wird es auch weiterhin bestimmt immer wieder Schnittmuster geben, die sich im Kopf, im Unterbewusstsein, im Nähherz so festsetzen, dass ich sie einfach auf die to-sew-Liste setzen muss.  Also, Ihr lieben Schnittdesigner, legt bitte eure Ideen und Stifte nicht weg, sondern macht gern weiter.... 











Mittwoch, 13. Juni 2018

Eine luftig bequeme Leinenhose....

Wer liebt sie nicht ? Eine bequeme luftige Hose, die im Sommer einfach nur schnell übergezogen wird. Eine legeres Beinkleid, das einem vollkommene Bewegungsfreiheit und auf der Haut ein angenehmes Gefühl lässt.

Für mich gehören Leinenhosen eindeutig in diese Kategorie der liebsten Sommerhosen, denn Leinenstoff ist atmungsaktiv. Die Leinenfasern können Luftfeuchtigkeit aufnehmen und an die Umgebung abgeben und haben deswegen einen kühlenden Effekt. Knitter - und Schlabberfalten hin oder her, sie sind einfach schön anzuhaben. Für mich ein absolutes Must Have in meiner Sommer-garderobe.




Bei meinem letzten Besuch im örtlichen Stoffladen sah ich dann einen  Stoffballen mit feinstem dunkelblauem Leinen. Sofort hatte ich die Assoziation einer luftigen Sommerhose vor Augen und habe spontan zugegriffen. 



Zuhause griff ich dann zu  meinem absoluten Lieblings-Bequem-Hosenschnitt, der Julika von Danie ( aka Prülla) . Eine kurze Rückfrage bei Danie , ob sie schon Erfahrung habe, die Hose auch aus einer Webware, anstatt elastischem Stoff, zu nähen. Kam prompt die Antwort, na klar, sie habe sich selber auch schon einige genäht, der Bund müsste angepasst werden und eventuell zwei Abnäher am Po. Okay, gesagt, getan und das Resultat seht ihr hier.



Ich habe zunächst überlegt , den Stoff eine Nummer größer zuzuschneiden. Ging aber nicht so wirklich, da ich den Schnitt nur in meiner Größe in meiner Schnittmusterablage habe. Und den ganzen Schnitt noch einmal neu plotten lassen, war mir dann doch zu aufwendig. Daher habe ich statt der bei mir üblichen Nahtzugabe von 0,8 cm eine Nahtzugabe von ca. 1,5 cm zugegeben - quasi als Sicherheitspolster. Das hätte ich mir definitiv sparen könne, denn die habe ich nach zigmal anprobieren und abstecken schlussendlich wieder weggenäht.

Herausfordernd waren die beiden Abnäher im hinteren Bereich, die ich erst eingenäht habe, nachdem ich beide Hosenbeine schon geschlossen bzw. miteinander verbunden hatte. Dann habe ich die Hose angezogen und mich selbst von hinten vor dem Spiegel begutachtet. An den Stellen wo der obere Teil leicht abstand, habe ich dann einfach den Zeigefinger in die Hose gesteckt und mit Daumen und Mittelfinger ungefähr die Breite abgegriffen, die aus dem Bund rausgenommen werden konnte. Auf einer Seite habe ich den Griff so fest gelassen und bin aus der Hose ausgestiegen ohne den Griff zu lockern. Dann schnell zum Nähtisch und mit einem Lineal meinen immer noch in der Hose festgeklammerten "Abnähergriff" abgemessen. 

Ihr werdet bestimmt gerade schmunzeln, denn lehrbuchmäßig ist diese Art des Vorgehens ganz und gar nicht. Aber es war die einzige Möglichkeit, da niemand in der Nähe war, um es mir abzustecken. Somit habe ich dann jeweils 12 cm von der hinteren Mittelnaht einen 7 cm langen Abnäher, der im Bund oben 2 cm breit war, eingenäht.  War vielleicht ein bisschen Glücksspiel, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Mein Risiko ist aufgegangen, denn für mich sitzt die Hose am Hintern jetzt perfekt.



Leinen besitzt die Eigenschaft sich durch Bewegung und Körperwärme  weiter auszudehnen. Die Fotos hier habe ich gemacht, nachdem ich die Hose schon einen halben Tag anhatte. Die typischen Leinenknitterfalten sind deutlich zu sehen, stören mich aber überhaupt nicht. Leinen knittert edel, sagte meine Mutter früher immer. Außerdem ist sie so bequem, dass sie wahrscheinlich sogar eine Yoga Stunde mitmachen würde. 




Gut, Yoga stand jetzt nicht bei mir auf dem Plan, aber diese Leinen Julika gehört schon jetzt definitiv zu meinen absoluten Lieblingen in einer zeitlosen Sommergarderobe. 

Schnittmister. Hose Julika , genäht in Größe 42
Stoff: fester Leinen, gekauft im örtlichen Stoffladen











Montag, 4. Juni 2018

Aufbewahrung für Allerlei Schönes....

Ich lernte das Stricken von meiner Mutter. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie alt ich damals tatsächlich war. Irgendwo im Teenager Alter. Bewundernd habe ich als kleines Mädchen stets auf die so emsig vor sich hin klappernden Nadeln meiner Mutter geschaut, bis der Wunsch entstand, dass möchte ich selber ausprobieren.




Ich glaube, es war ein Schal - mein Erstlingswerk. Kraus rechts gestrickt aus einem Wollrest meiner Mutter, die Seitenränder schief und krum. Genau erinnern kann ich mich nicht mehr. Umso stärker sind aber die Erinnerungen an mein tatsächlich erstes selbst gestricktes vorzeigbares Werk. 

Das erste Mal auf einer Rundstricknadel - völlig revolutionär- habe ich eine dicke lange Wollschlange gestrickt - Mathilda. Und nicht nur aus Wollresten, sondern ich durfte mit meiner Mutter in die Stadt fahren und mir ganz neue Wollknäuel für mein Projekt aussuchen. 





Und Mathilda wuchs und wuchs und wuchs bis sie eine Länge von knapp 1,5 Meter erreichte. Dann war die Wolle alle. Und Mathilda wurde mit Watte gefüllt , hinten und vorn zugenäht und bekam noch gehäkelte Ohren, Augen, eine Zunge, einen Schwanz und acht Füße. 

Da hat natürlich die Mama mitgeholfen, denn so kleine Socken, die dann gefüllt zu Füssen wurden, das habe ich damals noch lange nicht geschafft.




Und ich kann mich noch gut an die Karstadt Plastiktüte erinnern, in der wir die Wolle damals gekauft hatten. Sie war für die Dauer des Projektes immer der Aufbewahrungsort für alle Wollknäuel und das Zubehör. Und auch später habe ich sie immer noch weiter für alle Wollreste genutzt.





Jetzt bin ich Mitte vierzig, diese Plastiktüte längs verschwunden und habe das Stricken wieder neu für mich entdeckt. Es macht mir Freude, die Wollfäden über die Nadeln sausen zu lassen . Es entspannt mich, einfach dazusitzen und die Finger zu bewegen, häufig zähle ich einfach nur die Maschen mit oder denke an gar nichts. 


Und nach einigen kleineren Strickprojekten kam auch die Lust und die Ausdauer wieder zurück, sich an größere Arbeiten heranzutrauen. Ein Cardigan ist entstanden aus dreizehn Knäuel Wolle und drei unterschiedlichen Rundstricknadeln, mit Maschen-markierern. Um all diese Utensilien immer passend zur Hand zu haben und nicht immer in irgendwelchen Beuteln herumkramen zu müssen, habe ich mit meine erste Projekttasche genäht. 



Mit genügend Raum für Wolle, aber auch praktischen Fächern für die Aufbewahrung der Nadeln. So ein Handarbeitsutensilo ist aber nicht nur praktisch  - ja , ich finde inzwischen auch die Maschenmarkierer auf Anhieb wieder - er ist ein richtig heimeliges Wohnaccessoire. Es sieht so hyggelig aus , wenn dieser Korb neben dem Sessel steht. Jederzeit einsatzbereit für ein paar Minuten Auszeit. 





Perfekt für ein solches Projekt geeignet ist ein schwerer Stoff mit guten Stand. Hier habe ich den Baumwoll-Leinen Stoff Kokka Tréfle Jute mit weißen Farbkleksen  gemixt mit einem blauen Canvas von Robert Kaufmann verwendet. Beides tolle Taschenstoffe, die sich unter den Nähnadeln prima verarbeiten ließen. Ein kleiner Ledergriff an der Seite, den ich mit Buchschrauben befestigt habe und eine naturfarbenen Kordel runden das Gesamtwerk ab. 




Ich bin gerüstet für die nächsten Strickprojekte. 
Übrigens hat mein Sohn mich neulich auch gefragt, ob ich ihm mal zeigen könnte, wie das geht mit dem Stricken.......aber gern doch.



Den Schnitt für diese Tasche habe ich mir selbst enwtworfen.
Die beiden Stoffe sind aus dem Shop von LoNeJo und wurden mir für das Nähen eines Designbeispiels kostenfrei zur Verfügung gestellt. 








Mittwoch, 11. April 2018

Meine erste selbst genähte Jeans.....

Wow, was soll ich sagen.... Ja, ich habe es auch geschafft und habe mir eine Jeans selbst genäht. Damit habe ich im Entwicklungsstadium der Hobbynäherin wohl quasi den Olymp erreicht.

Und mit Hose meine ich nicht einfach nur vier zusammengenähte Hosenteile mit Gummizug, sondern so eine wirklich echte Hose mit Knopfleiste, Untertritt, Taschen,  Bündchen und Gürtelschlaufen. 

Das hört sich nach einer Menge Schnitteile und technischer Raffinesse an. Ist es aber gar nicht. Gut, es sind schon ein paar Schnitteile mehr, als bei einem Shirt oder einem Sweater. Aber selbst ich, als zugegebenermaßen echter  Neuling in der Hosennäherei, fand die Anzahl und die Zusammensetzung der Schnittteile für diese Jeans überschaubar und zusammenhängend.




Aber was ist dieser ganze technische Kleinkram im Vergleich zu der Erkenntnis , mein Hintern passt dort perfekt rein. Ich kann Euch sagen, spannender kann es beim Nähen kaum zugehen, bis zu diesem ersten Moment, wo man diese halb zusammengenähte Hose das erste Mal anprobiert.




Bisher bescherte mir das Hosen anprobieren in einem Geschäft meist eher Frust als Gute Laune. Und ich glaube, da bin ich bei Weitem nicht die Einzige. Aber warum ist es denn viel schwerer für die untere Hälfte des Körpers ein passendes Kleidungsstück zu finden, als für die obere Hälfte?




Eine Hose muss einfach gut sitzen. Und das ist meiner Meinung nach völlig unabhängig von der Figur. Egal ob Frau groß oder klein, dick oder dünn, O- oder X-Beinig ist, bei Hosen muss einfach die Passform stimmen. Hüfte, Po, Ober- und Unterschenkel sind bei uns allen so individuell, dass es wohl kaum die perfekte Passform für alle gibt. Und ich bin der festen Überzeugung, dass bei Hosen einfach alles perfekt sitzen muss, bei Oberteilen sind wir eher bereit, Kompromisse hinzunehmen. Wenn zum Beispiel die Schulter nicht richtig sitzt oder die Ärmellänge nicht perfekt ist, wird eher drüber hinweggesehen, als eine Hose, deren Hintern irgendwo hängt, wo er eigentlich nicht hingehört.



Ich bin noch in einer Zeit aufgewachsen, als Jeans völlig revolutionär plötzlich mit unterschiedlichen Beinlängen in den Geschäften lagen. Heutzutage gibt es für Hosen nicht nur alle gängigen Beinlängen, sondern so viele unterschiedliche Passformen. Von Highwaist bis Slimleg unterstützt die Bekleidungsindustrie unsere Individualität und bevorzugte Passform. Jeder der mit sich und seiner Individualität kritisch umgeht, weiß im Grunde, welche Passform ihm guttut, welche bequem ist, in welcher Hosenform man sich einfach wohl fühlt. Darum sollte man, wenn man mit dem Gedanken spielt, sich eine Hose selbst zu nähen auch zu einer Passform greifen, die man vielleicht schon selber im Kleiderschrank hängen hat und von der man weiß, dass sie einem gefällt. 




So geschehen hier bei meinem aktuellen Nähprojekt , der Jeans nach dem Schnitt Gloria von Katrin (aka freuleins) . Eine lässige Boystyle Hose, in der auch kräftigere Oberschenkel sich wohl fühlen und die mit ihrem lässigen Style überzeugt. Das Nähen war mit der gut bebilderten Anleitung überhaupt kein Problem, auch wenn Begriffe, wie Untertritt und Untertrittbeleg noch nicht fest im Kopf verankert sind, mit Hilfe der Fotoanleitung habe ich Step by step alle Teile zusammengesetzt. Geheftet, anprobiert, neu geheftet, zusammengenäht, dazwischen ein paar Tage Pause eingelegt, weitergenäht, Knopflöcher besiegt, wieder anprobiert, noch mal ein wenig aus der Passe an Weite genommen und fertig, passt. Ist ganz einfach, traut euch....



Schnitt Gloria von Freuleins wurde mir im Rahmen des Probenähens kostenlos zur Verfügung gestellt, alle sonstigen Materialien habe ich selbst gekauft und die Nähzeit wurde mir von meiner Familie gesponsert
Schaut auch gern hier vorbei, dort findet ihr viele weitere Beispiele dieses Schnittes
verlinkt bei RUMS





Mittwoch, 21. März 2018

Ich brauche Farbe, viel Farbe.....

Öffnet sich mein Kleiderschrank so wird man auf den ersten Blick feststellen, dass die Farben Blau und Grau den Großteil meiner Kleidung dominieren. Ich liebe diese kühlen unauffälligen Farben. Farben, zu denen ich automatisch immer wieder gern greife und in denen ich mich einfach wohl fühle. Das möchte ich auch nicht ändern.

Aber ab und an kommt dann dieser kleine "Farbfloh" in mir durch, der sich ein wenig mehr Abwechslung wünscht. Ein kleinen Akzent, der meinen Typ unterstreicht und sich prima in die bestehende Garderobe einfügt.




Und mit Farbe meine ich eine wirklich andere Farbe außerhalb des Blau/Grau Spektrums, die einen Akzent in die Kleidung setzt.  Und bloß nichts Buntes. Am liebsten ganz schlicht. Ist doch ganz einfach. Ist es das wirklich? 





Ich habe  mich jahrelang schwer  getan mit knalligen, auffälligen Farben (warum eigentlich?). Da kam mir die Farbberatung, die Danie und Silke im Rahmen von Lüneburgnäht2018 für uns organisiert hatten, gerade recht. 



Mit Brita Becker hatten wir die Möglichkeit, uns mit unseren eigenen Farbanlagen auseinanderzusetzen. Unsere Farbanlagen spiegeln sich  vor allem in der (natürlichen) Haar- und Augenfarbe in Kombination mit der Hautpigmentierung wider.

Und dann die spannende Frage: Welche Farben passen dann zu dem ermittelten Farbtyp? Welche Farben  lassen das Gesicht klarer und frischer erscheinen. Brita hat es verstanden uns schnell für ihr Thema zu begeistern, indem sie demonstriert hat, wie nur der Hauch einer anderen Farbe dicht am Gesicht, die gleichen Augen mit demselben Ausdruck innerhalb von Millisekunden zum Strahlen bringen.






Wenn einem diese Zusammenhänge so richtig bewusst werden, ist es Jedem möglich, mit Hilfe von Kleidung und Kosmetik ganz einfach seine eigene Persönlichkeit zu unterstreichen. Ein kleines Hilfsmittel ist dabei die Stoffkarte, die -abgestimmt auf den jeweiligen Farbtyp- alle harmonisierenden und den Typ unterstützenden Farben enthält. 





Und was ist mir ein Stein vom Herzen gefallen , als ich mich bestätigt fand, dass mich meine Liebe zu den kühlen Farben nicht gänzlich in die Irre geführt hat. Mit meinem mittel-kalten Farbtyp gehöre ich zu denen, die in Ihrer Kleidung vor allem Blautöne bevorzugen und bei Accessoires Silber den Vorrang geben sollen.



Und die Bestätigung, dass ich gern zu Farben mit satter Leuchtkraft greifen dürfe. Diese unterstützen meinen eigenen Ausdruck und erdrücken mich keinesfalls. Und seht ihr oben auf der Farbkarte die Beispiele mit den leuchtenden (kühlen) Rottönen. Ich finde sie wunderbar und habe den Entschluss, dass diese Farben gern in meinen Kleiderschrank einziehen dürfen so spontan umgesetzt, dass ich mir in der Tillabox gleich diesen wunderbaren pinkfarbenen Merinostrick gegönnt habe, um daraus einen schlichten Raglanpullover zu nähen.




Und es wird nicht der letzte Farbknaller gewesen sein. Der Frühling lässt uns alle nach Farbe lechzen und ich finde, die Garderobe darf damit auch gern unsere Stimmung aufhellen und uns auf frische Farben, auch in der Natur freuen lassen. Macht es gut.....




Schnitt: Betula von Fabelwald , genäht in Größe 42 ohne Bündchen
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Mittwoch, 14. März 2018

Oh Adelheid......

Die heilige Adelheid von Villich lebte vor über 1.000 Jahren und war die erste Äbtissin der Benediktinerabtei Villich bei Bonn. Adelheid war eine Wohltäterin für die Armen und Notleidenden und konnte der Überlieferung nach Wunder bewirken. 
[Quelle: Wikipedia]

Liebe Adelheid, 

Du bist die Namensgeberin für diesen schlichten , eleganten Blusenschnitt. Hättest Du Dir das zu Deiner Zeit vorstellen können?





Nach eigener Aussage von Monika aka Schneidernmeistern  bist Du, liebe Adelheid,  ganz überraschend und spontan in Ihr Leben getreten. Und stell Dir vor, auch bei mir kamst Du unverhofft und sehr schnell in meinen Kopf und dann in meinen Kleiderschrank.  So geschehen Anfang Februar bei dem Nähwochenende in Lüneburg. Dein nach Dir benanntes Schnittmuster stand kurz vor der Veröffentlichung, und einige fleißige Probenäherinnen hatten schon wirklich wunderbare Exemplare von Dir gefertigt. Um in die große weite Welt der Näherinnen zu  ziehen, bedurfte es jedoch noch einiger Fotos. 



Sonja (bysoneken) und Anke (mojoanma) baten mich als Fotografin einzuspringen, was ich super gern gemacht habe. Hatte ich doch so genügend Gelegenheit, Dich, liebe Adelheid, von allen Seiten und in allen Details zu begutachten. Und wenn ich ehrlich bin, in dem Moment war es um mich schon geschehen. Dieser tiefe innere Wunsch, ich möchte auch eine Adelheid haben. Ich weiß nicht genau, ob Sonja mir diesen Wunsch von den Augen abgelesen hat, aber nachdem ich ihr erstes Probenähexemplar anprobieren durfte, sagte sie spontan: " Behalt Sie gern, ich mag die Farben an mir gar nicht !" Kurze gespielte Empörung: "Aber Nein, das kann ich doch nicht annehmen , die steht Dir doch auch !" verlief schnell im Sande und so zog die Adelheid viel schneller in meinen Kleiderschrank, als ich mir es je erhofft hätte.




Aber natürlich hatte ich von Dir auch eine eigenes Bild im Kopf, schlicht, unaufgeregt und ohne Dramatik. Sindy  vom Blog "Mein gewisses Etwas" hatte zwischenzeitlich genau solche Versionen von Dir gezeigt, die mein Herz noch höher schlagen ließen. Und so kamst Du eine zweites Mal in mein Leben. 


Genäht habe ich Dich aus grauem Viskoseleinen, ein wunderbar weich fallender, leicht stretchiger Stoff, der wie für Dich gemacht scheint.  Das Nähen hat richtig Spaß gemacht und war mir eine große Freude. Lange habe ich mir mit Dir Zeit gelassen, jeden einzelnen Schritt ausgekostet und Dich stets und ständig schön gebügelt, bevor der nächste Nähschritt anlag.



Leider hätte ich das auch mit deiner Nähanleitung machen sollen. Jeden Satz auf der Zunge und im Hirn zergehen lassen, als einfach darüber hinweg zu fliegen. Dann hätte ich auch gesehen, dass beim Zuschnitt an der hinteren Rückenpasse 2x2 cm Nahtzugabe erforderlich sind. Oh ja, Adelheid, das ist wichtig bei Dir, damit dieses kleine aber feine Detail des Rückenschlitzes, der Dich zu etwas Besonderem macht, gelingt.  So hast Du jetzt leider bei mir keinen Schlitz bekommen, da ich nur eine einfache Nahtzugabe beim Zuschnitt dazugegeben habe und daher zu wenig Stoff für den Umschlag hatte. 



Dafür habe ich Dir dann bei den Ärmeln ein wenig mehr Aufmerksamkeit geschenkt und ein kleines Detail hinzugefügt, dass so für Dich nicht vorgesehen war. Mit der schräg zulaufenden , leicht über Kreuz angenähten Manschette habe ich dann meinen Faux pas auf der Rückseite wieder ausgeglichen. Aber Du bist so wie Du jetzt bist perfekt für mich und begleitest mich tapfer durch meinen Alltag. Ich fühle mich wohl in Dir. 





Schnitt: Adelheid von Schneidernmeistern, genäht in Größe 42, der Schnitt wurde mir von Monika kostenlos zur Verfügung gestellt
Stoff: elastische Leinenviskose von Clarasstoffe
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Montag, 26. Februar 2018

Wischlappen mal anders....

Spüllappen oder Waschlappen aus Strick, sehen nicht nur gut aus, sondern sind auch extrem umweltfreundlich. Selbstgestrickt sind sie zudem noch sehr nachhaltig und fair produziert und können so in der Nutzung in Bad und Küche prima eingesetzt werden.



Ich muss zugeben, ich war erst ein wenig skeptisch , ob es sich denn mit so einem Wolllappen genau so wischen lässt, wie mit einem herkömmlichen Spültuch. Aber einfach mal ausprobieren und sich selber eine Meinung dazu bilden. 

Wir hatten vor gut einem Jahr die ersten gekauften Wollspültücher aus unserem Nachbarland Dänemark im Einsatz. Sie haben sich in der Küche bewährt und sind auch nach etlichen Waschgängen in der Waschmaschine immer wieder im Einsatz. Vor ein paar Wochen hat sich der erste Am Rand aufgelöst und Fäden gezogen. Das war der eigentliche Auslöser, warum ich es selber ausprobieren wollte, die Lappen selbst zu erstellen. 



Wenn es um die Suche nach kreativen Inspirationen und Anleitungen geht, schaue ich zuallererst bei  Pinterest vorbei. Dort einfach mit einem geeigneten Schlagwort suchen und ihr findet viele tolle Internetquellen mit entsprechenden Anleitungen. Ich hatte bereits einige Ideen , unter anderem auch zu der hier verwendeten Häkeltechnik, dem tunesischen Häkeln, auf meinem Pinterestboard abgespeichert.



Jetzt stellte sich nur noch die Frage nach dem geeignetem Material und der richtigen Häkelnadel. Und da verlasse ich mich auch gern auf eine erfahrene Fachmeinung, die ich vor Ort im  Wollladen immer finde. Nachhause gekommen bin ich dann mit einem Knäuel sehr saugfähiger Baumwolle mit Polyesteranteil und einem Knäuel Wolle aus einem Baumwolle-Leinen-Gemisch. Und hier seht ihr das erste Ergebnis , ein kleiner Spüllappen mit einem einfachen tunesischen Häkelstich.


Am Sonntag habe ich diesen Lappen beim Kuchenbacken das erste Mal im Einsatz gehabt, um die Kleckse vom aufgeschlagenen Ei aufzuwischen oder ihn im feuchten Zustand unter der Rührschüssel zu platzieren, damit diese mit dem Mixer nicht auf Walzerrunden geht.

Inzwischen ist auch schon der zweite Lappen auf der Nadel, diesmal aus dem Baumwoll-Leinen-Gemisch, welches sich wieder ganz anders anfühlt und sich auch ganz anders auf den Nadeln verarbeiten lässt. Ich bin gespannt, wie die Beiden sich im längeren Praxiseinsatz und vor allem nach den ersten Runden in der Waschmaschine machen. 

Es gibt auch noch so viele tolle Strickmuster für die Wischtücher und ganz viele Varianten des tunesischen Häkelns. Wenn ich die alle ausprobiere, quillt unsere Lappenschublade bald über. Aber als kleines Mitbringsel bzw. Geschenk eigenen sie sich auch hervorragend. Ich werde also weiter machen . Und ihr?