Mittwoch, 26. September 2018

Skandinavian Style - eine lässige Bluse aus weichem Tencel

Der skandinavische Stil ist nicht nur beim Interior beliebt. Seit einigen Jahren etabliert sich dieser lässige Look der Skandinavier auch in der Mode. Da schauen wir doch alle gern mal gen Norden, und bewundern diesen unverkrampften, zwanglosen Stil, der ohne große Schnörkel und aufwendiges Gedöns daherkommt. Das Gute liegt in der Einfachheit der Dinge. 


Zum skandinavischen Zeitgeist gehören Basics. Am Liebsten in klassischen unauffälligen Farben, wie Blau, Grau, Weiss oder gedeckten Erdtönen. Wobei aber auch gleichzeitig großen Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit gelegt wird. Schlichte Eleganz mit minimalistischen Einsatz, oft Ton in Ton , und die Kleidung eher zu weit als zu eng.





Auch als "Selfishsewer" kann ich problemlos diesem skandinavischen Modestil folgen. Gibt es doch inzwischen nicht nur Literatur , wie zum Beispiel das aktuell von Sindy und Vivien auf Instagram vorgestellte Buch "Skandinavische Mode selbst genäht" , sondern auch Schnittmusterhersteller aus Schweden, bei denen Einzelschnitte nach schwedischem Vorbild zu kaufen sind. Sicherlich gibt es da auch mehrere Anbieter, aber zumindest "The Assembly Line"  ist inzwischen auf dem deutschen Markt vertreten, indem Silke ("Tillabox") und Nina ("JuniDesign") die Schnitte mit in ihre Onlineshops genommen haben. 




Und da war es dann auch um mich und meine kritische Haltung zu dem Thema, wie viele neue Schnittmuster braucht man eigentlich, geschehen (gern hier noch mal nachzulesen). Trotz des für unsere deutschen Verhältnisse sehr hohen Preises für das Papierschnittmuster und der Einsicht, dass auch dieses Top jetzt weder kompliziert zu nähen und vielleicht sogar ähnlich zu dem ein oder anderen Schnitt ist, der sowieso schon bei mir liegt, hat mich diese unaufgeregte Einfachheit und das Versprechen, das man auf der Homepage von The Assembly Line findet ("We promise to only send you good things." ) direkt ins Herz getroffen und den Verstand ausgeschaltet. So habe ich mir als erstes dieses Cuff Top Schnittmuster gekauft.




In Kombination mit diesem wunderbar weichem Denim Tencel von Merchant and Mills (sozusagen Schwedischer Schnitt gepaart mit englischen Stoffen)  ergibt es genau den casual chic, der fast zu jeder Gelegenheit zu tragen ist.  Wobei ich sagen muss, dass die 5 cm breiten Gummibänder an den Armabschlüssen zwar lässig aussehen, mich aber anfangs an den Armen etwas irritiert haben und sich auch nicht unbedingt mit jedem Jackenärmel vertragen. Hier zeigt sich auch eindeutig die Maxime der Schweden, eher zu weit als zu eng zu schneidern.  Denn genäht habe ich das Cuff Top in Größe M, obwohl ich sonst ausschließlich L vernähe. Aber auch da werdet ihr auf der Seite von The Assembly Line fündig, denn zu jedem Schnitt gibt es sowohl Körpermaß als auch Fertigmaßtabellen.



Neben dem eigentlichen Schnittmuster gibt es ein sehr detailliertes Anleitungsheft und ein Stofflabel zum Aufnähen. 

Mein Fazit aus diesem ersten Schnitt, den ich von "The Assembly Line" genäht habe, fällt gut aus. Ich mag diesen Style und liebe eher lässige als zu körperbetonte Kleidung. Ich bin bereit, auch höhere Preise für gute und nachhaltige Schnittmuster und Stoffe auszugeben und werde auf jeden Fall noch weitere Muster ausprobieren. 
Wie sieht es bei Euch damit aus?


Schnitt: Cuff Top in Größe M von The Assembly Line
Stoff: Denim Tencel von Merchant and Mills, beides gekauft bei Juni Design




Dienstag, 11. September 2018

Aus Shirt wird Kleid in Wickeloptik......

Ich kann auch Kleider, also nicht nur nähen, sondern auch tragen. Meine erster Griff in den Kleiderschrank führt mich zwar meist zu Hosen und bequemen Shirts, aber ab und an darf es dann auch mal eine Kleid sein. 



In meinem Schnittmusterfundus befindet sich allerdings außer der Else von Schneidermeistern tatsächlich kein einziger Kleiderschnitt. Aber auch das ist überhaupt keine Problem, denn aus jedem gut sitzenden T-Shirt Schnittmuster lässt sich schnell und einfach aus elastischen Stoffen ein Kleid nähen. 

 

Hier habe ich einfach das Schnittmuster "Frau Liese" von Studio Schnittreif zu einem Kleid verlängert. Dazu inspiriert hat mich Gesche, die diese Kleider schon so oft genäht hat und ich sie immer bei ihr bewundert habe.  



Die Frau Liese von Studio Schnittreif ist ein zeitloses, schlankes Langarmshirt mit einem tiefen Ausschnitt in Wickeloptik und eignet sich perfekt für eine Erweiterung zum Kleid.  Am besten näht ihr euch das Shirt zuerst und testet wie es auf den Hüften sitzt. Dann legt ihr einfach einen Rockschnitt in der Taille an und überprüft auch dort noch einmal den Übergang von der Taille auf die Hüfte. Anschließend schneidet ihr Vorder- und Rückenteil einfach mit der "Rockverlängerung" in einem Stück zu und näht alles so wie bei einem Shirt zusammen. Wenn ihr den Rock etwas glockiger haben möchte lasst es zum Saum hinter weiter auslaufen, ansonsten schneidet ihr von den Hüften abwärts nur leicht ausgestellt zu bis zur gewünschten Länge.




Auch wenn ich bekennender Hosenliebhaber bleibe , mag ich die weibliche Note, die einem solche Kleider verleihen , sehr gern. Daher durften dann auch gleich zwei verschiedene Versionen unter die Nähmaschine. In diesem Sommer waren sie oft der perfekte Begleiter. Mal sehen, ob ich sie auch im Herbst mit einer feinen Strickjacke und Strumpfhose kombiniere.  

Schnittmuster: Frau Liese von Studio Schnittreif in Größe L verlängert zum Kleid
Stoffe: Jersey "Mademoiselle Fairy" aus der Herbst-Winterkollektion 2018 von Lila-Lotta gekauft bei Mira und Modal Sweat taubenblau mit Blumenmuster gekauft bei Clarasstoffe
verlinkt bei Afterworksewing

Mittwoch, 5. September 2018

Schnieke Wiebke - der fesche Blazer

"Schnieke" ist ein berlinerisches Adjektiv und bedeutet so viel wie apart , elegant, geschmackvoll, gut angezogen, modisch, schick und stilvoll.

Wie ich finde, der perfekte Name für das neue Schnittmuster aus der Feder von Bine (aka echtknorke). Der Blazer kommt eigentlich sehr sportlich um die Ecke. Wird aus elastischen Stoffen wie Sweat oder Jacquard genäht, hat offene Kanten am Revers und am Saum und sieht doch durch seine Schnittführung sehr klassisch und elegant aus, halt einfach schnieke.





Was sicherlich auf den ersten Blick ins Auge sticht , ist die raffinierte Kragenlösung. Das Revers wird einfach umgeschlagen und an der Schulterpasse fixiert. Die sonst so aufwendige Kragenverarbeitung wird bei diesem Schnitt durch ein einfaches Bündchen ersetzt. 




Von der Passform ist der Blazer körpernah, aber trotzdem nicht zu eng. Ich habe hier aus einem schlichten dunkelblauen Sommersweat meine ganz normale Konfektionsgröße (42)  genäht, die eigentlich immer passt und merkte schon während der Anprobe , dass ich mich sehr wohl fühle in dem Kleidungsstück. So wohl, dass ich bis heute tatsächlich noch nicht einmal die Ärmel vernünftig gesäumt habe, und schon zweimal damit im Büro war. Aber pssst, nicht weitererzählen …….



Wie vielfältig dieser Schnitt ist, je nachdem welchen Stoff und vor allem welche Bündchen ihr verwendet , könnt ihr in dem Lookbook sehen, wo alle Designbeispiele der Probenäherinnen enthalten sind. Oder ihr schaut einfach mal auf Instagram unter dem Hashtag #schniekwiebke. Da gibt es tolle Varianten mit selbst beplotteten Bündchen, der Verarbeitung der bereits fertigen Cuff me -Bündchen oder auch tolle kreative Iden mit Bändern, die die Ärmel verzieren.  



Ich glaube, dass es bei diesem Blazer so viele Designmöglichkeiten außerhalb meiner, hier eher klassisch gehaltenen, Variante gibt und ich freue mich schon auf viel tolle selbst genähte Blazer. Ich fürchte auch fast, dass dieses Schnittmuster nach Rudelbildung schreit. Ihr wisst , was ich meine ? Wenn man erst einmal infiziert ist, schießen einem tausend Ideen durch den Kopf, welche Varianten man auch gern ausprobieren möchte und schwupps sind doch zwei oder drei davon im Kleiderschrank. Na, lasst euch überraschen, ich schaue mir derweil gern eure "schnieken Wiebkes ".





Schnittmuster: Schnieke Wiebke wurde mir im Rahmen des Probenähens kostenlos überlassen
Stoff: dunkelblauer Sommersweat, käuflich erworben im örtlichen Stoffgeschäft, ebenso der pinkfarbene Bündchenstoff



Mittwoch, 11. Juli 2018

Brauche ich immer wieder neue Schnittmuster?

Der Markt für Schnittmuster ist groß. Suche ich ein Schnitt für ein bestimmtes Kleidungsstück werde ich schnell fündig. Denn ehrlich gesagt, suche ich meine Schnittmuster eher selten, sondern sie finden mich. Wie das?



Das Nähen hat in den letzten Jahren eine regelrechte Renaissance erlebt und so stieg mit der Nachfrage natürlich auch das Angebot an Schnittmustern. Neben den traditionellen Nähzeitschriften etablierten sich neue Herausgeber, die Auswahl an Schnitten von eigenen Labels/Designern wächst gefühlt täglich. Wenn ich im Buchladen vor dem Regal mit der Aufschrift "Hobby" stehe, bin ich immer wieder fasziniert, wie bunt und vielfältig die Literatur mit dem Nähtrend umgeht. Auch dort stehen immer wieder neue Bücher, die Schnittmuster zum Nachnähen enthalten.




Auch mein eigener Schnittmusterfundus steigt von Jahr zu Jahr. Ich bevorzuge Einzelschnittmuster, besitze aber auch einen ansehnliche Anzahl an einschlägigen Nähzeitschriften und das Bücherregal steht kurz vor dem Zusammenbruch. 


Da stellt sich unweigerlich die Frage: "Brauche ich wirklich noch weitere neue Schnittmuster?" 


Ich nehme als Beispiel T-Shirts. Genau nachgezählt habe ich natürlich nicht, aber bestimmt befinden sich in meinem Nähzimmer mehr als zehn Schnitte dazu. Von unterschiedlichen Körperlinien (tailliert, lässig, kurz, lang) mit allen Ausschnitts- und Ärmelformen. In jeder Nähzeitschrift ist garantiert ein Shirt-Schnittmuster und ich habe sogar ein Buch mit Baukastenprinzip und kann mir meine Shirts je nach Belieben selber zusammenstellen. Ehrlich, wozu brauche ich da noch weitere Shirt Schnittmuster?




Ich kenne inzwischen meine Figur, habe viele Schnittmuster ausprobiert, weiß in welcher Form ich mich wohl fühle und habe natürlich, wie jeder von uns, meine ganz persönlichen Vorlieben. ich bin bekennender Fan von Raglannähten. Auch dazu habe ich bestimmt vier unterschiedliche Schnittmuster bei mir liegen. Rein vom Verstand sage ich,  das reicht. Darunter gibt es besonders eins , das mir persönlich sehr gut gefällt und das ich gern immer wieder nähen werde. 


Aber ihr ahnt schon, worauf ich hinaus will, oder?


Irgendwie ist das dann doch nicht so? Es gibt dann immer wieder neue Schnittmuster, die natürlich nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, wo aber immer eine Kleinigkeit anders ist. Man sieht die Muster und ist im Kopf angefixt von irgendeinem Detail, dass einen im Unterbewusstsein irgendwie angesprochen hat. Und schwupps , ist da dieser Drang, ich muss unbedingt auch mal dieses Schnittmuster ausprobieren.



Immer mal wieder etwas Neues ausprobieren, nicht auf der Stelle stehen bleiben, das liegt in der Natur der meisten Menschen. Und Näherinnen sind da definitiv besonders anfällig für (*lach*).

Und genau aus diesem Grund ist auch das Shirt No. 1 von JuniDesign bei mir eingezogen. Ich habe es mir tatsächlich jetzt erst gekauft, weil ich lange dachte, ich bräuchte nicht noch ein weiteres Schnittmuster. Aber tief drinnen in mir arbeite es immer weiter und dann habe ich einfach gemacht. Ich habe das Schnittmuster bei Nina gekauft und gleich ausprobiert. 


Diese Neugierde fasziniert mich immer wieder beim Nähen. Wie wird das Kleidungsstück letztendlich werden? Wird es mir gefallen oder werde ich eher enttäuscht sein? Werde ich es selber noch nach meinen Vorstellungen leicht abändern oder nähe ich genau nach Anweisung? 


Hier seht ihr mein zweites Shirt No. 1 aus einem tollen leuchtend Viskosejersey, den ich Dominique aus ihrem Stoffflohmarkt abkaufen konnte. Genäht in Größe L, genau nach Anleitung, ohne Änderungen. Bei diesem Schnitt waren es die beiden Raglannähte auf dem Rücken, die mich sofort angesprochen haben und die mir dann auch nicht wieder aus dem Kopf gingen. 



Und wenn ich ehrlich mit mir selber bin, wird es auch zukünftig so weiter gehen. Ich werde weiter beobachten, welche neue Schnittmuster auf den Markt kommen (dafür kann ich übrigens nur den Sonntagsschnack von Fredi empfehlen, die jeden Sonntag das Neueste aus der Nähszene wunderschön zusammenfasst), wenn mir dort etwas ins Auge springt, das mir gefällt, werde ich als Erstes die Frage stellen, brauche ich das Schnittmuster wirklich? Habe ich nicht schon ein Ähnliches? Ist diese wirklich so viel anders?

Und dann wird es auch weiterhin bestimmt immer wieder Schnittmuster geben, die sich im Kopf, im Unterbewusstsein, im Nähherz so festsetzen, dass ich sie einfach auf die to-sew-Liste setzen muss.  Also, Ihr lieben Schnittdesigner, legt bitte eure Ideen und Stifte nicht weg, sondern macht gern weiter.... 











Mittwoch, 13. Juni 2018

Eine luftig bequeme Leinenhose....

Wer liebt sie nicht ? Eine bequeme luftige Hose, die im Sommer einfach nur schnell übergezogen wird. Eine legeres Beinkleid, das einem vollkommene Bewegungsfreiheit und auf der Haut ein angenehmes Gefühl lässt.

Für mich gehören Leinenhosen eindeutig in diese Kategorie der liebsten Sommerhosen, denn Leinenstoff ist atmungsaktiv. Die Leinenfasern können Luftfeuchtigkeit aufnehmen und an die Umgebung abgeben und haben deswegen einen kühlenden Effekt. Knitter - und Schlabberfalten hin oder her, sie sind einfach schön anzuhaben. Für mich ein absolutes Must Have in meiner Sommer-garderobe.




Bei meinem letzten Besuch im örtlichen Stoffladen sah ich dann einen  Stoffballen mit feinstem dunkelblauem Leinen. Sofort hatte ich die Assoziation einer luftigen Sommerhose vor Augen und habe spontan zugegriffen. 



Zuhause griff ich dann zu  meinem absoluten Lieblings-Bequem-Hosenschnitt, der Julika von Danie ( aka Prülla) . Eine kurze Rückfrage bei Danie , ob sie schon Erfahrung habe, die Hose auch aus einer Webware, anstatt elastischem Stoff, zu nähen. Kam prompt die Antwort, na klar, sie habe sich selber auch schon einige genäht, der Bund müsste angepasst werden und eventuell zwei Abnäher am Po. Okay, gesagt, getan und das Resultat seht ihr hier.



Ich habe zunächst überlegt , den Stoff eine Nummer größer zuzuschneiden. Ging aber nicht so wirklich, da ich den Schnitt nur in meiner Größe in meiner Schnittmusterablage habe. Und den ganzen Schnitt noch einmal neu plotten lassen, war mir dann doch zu aufwendig. Daher habe ich statt der bei mir üblichen Nahtzugabe von 0,8 cm eine Nahtzugabe von ca. 1,5 cm zugegeben - quasi als Sicherheitspolster. Das hätte ich mir definitiv sparen könne, denn die habe ich nach zigmal anprobieren und abstecken schlussendlich wieder weggenäht.

Herausfordernd waren die beiden Abnäher im hinteren Bereich, die ich erst eingenäht habe, nachdem ich beide Hosenbeine schon geschlossen bzw. miteinander verbunden hatte. Dann habe ich die Hose angezogen und mich selbst von hinten vor dem Spiegel begutachtet. An den Stellen wo der obere Teil leicht abstand, habe ich dann einfach den Zeigefinger in die Hose gesteckt und mit Daumen und Mittelfinger ungefähr die Breite abgegriffen, die aus dem Bund rausgenommen werden konnte. Auf einer Seite habe ich den Griff so fest gelassen und bin aus der Hose ausgestiegen ohne den Griff zu lockern. Dann schnell zum Nähtisch und mit einem Lineal meinen immer noch in der Hose festgeklammerten "Abnähergriff" abgemessen. 

Ihr werdet bestimmt gerade schmunzeln, denn lehrbuchmäßig ist diese Art des Vorgehens ganz und gar nicht. Aber es war die einzige Möglichkeit, da niemand in der Nähe war, um es mir abzustecken. Somit habe ich dann jeweils 12 cm von der hinteren Mittelnaht einen 7 cm langen Abnäher, der im Bund oben 2 cm breit war, eingenäht.  War vielleicht ein bisschen Glücksspiel, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Mein Risiko ist aufgegangen, denn für mich sitzt die Hose am Hintern jetzt perfekt.



Leinen besitzt die Eigenschaft sich durch Bewegung und Körperwärme  weiter auszudehnen. Die Fotos hier habe ich gemacht, nachdem ich die Hose schon einen halben Tag anhatte. Die typischen Leinenknitterfalten sind deutlich zu sehen, stören mich aber überhaupt nicht. Leinen knittert edel, sagte meine Mutter früher immer. Außerdem ist sie so bequem, dass sie wahrscheinlich sogar eine Yoga Stunde mitmachen würde. 




Gut, Yoga stand jetzt nicht bei mir auf dem Plan, aber diese Leinen Julika gehört schon jetzt definitiv zu meinen absoluten Lieblingen in einer zeitlosen Sommergarderobe. 

Schnittmister. Hose Julika , genäht in Größe 42
Stoff: fester Leinen, gekauft im örtlichen Stoffladen











Montag, 4. Juni 2018

Aufbewahrung für Allerlei Schönes....

Ich lernte das Stricken von meiner Mutter. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie alt ich damals tatsächlich war. Irgendwo im Teenager Alter. Bewundernd habe ich als kleines Mädchen stets auf die so emsig vor sich hin klappernden Nadeln meiner Mutter geschaut, bis der Wunsch entstand, dass möchte ich selber ausprobieren.




Ich glaube, es war ein Schal - mein Erstlingswerk. Kraus rechts gestrickt aus einem Wollrest meiner Mutter, die Seitenränder schief und krum. Genau erinnern kann ich mich nicht mehr. Umso stärker sind aber die Erinnerungen an mein tatsächlich erstes selbst gestricktes vorzeigbares Werk. 

Das erste Mal auf einer Rundstricknadel - völlig revolutionär- habe ich eine dicke lange Wollschlange gestrickt - Mathilda. Und nicht nur aus Wollresten, sondern ich durfte mit meiner Mutter in die Stadt fahren und mir ganz neue Wollknäuel für mein Projekt aussuchen. 





Und Mathilda wuchs und wuchs und wuchs bis sie eine Länge von knapp 1,5 Meter erreichte. Dann war die Wolle alle. Und Mathilda wurde mit Watte gefüllt , hinten und vorn zugenäht und bekam noch gehäkelte Ohren, Augen, eine Zunge, einen Schwanz und acht Füße. 

Da hat natürlich die Mama mitgeholfen, denn so kleine Socken, die dann gefüllt zu Füssen wurden, das habe ich damals noch lange nicht geschafft.




Und ich kann mich noch gut an die Karstadt Plastiktüte erinnern, in der wir die Wolle damals gekauft hatten. Sie war für die Dauer des Projektes immer der Aufbewahrungsort für alle Wollknäuel und das Zubehör. Und auch später habe ich sie immer noch weiter für alle Wollreste genutzt.





Jetzt bin ich Mitte vierzig, diese Plastiktüte längs verschwunden und habe das Stricken wieder neu für mich entdeckt. Es macht mir Freude, die Wollfäden über die Nadeln sausen zu lassen . Es entspannt mich, einfach dazusitzen und die Finger zu bewegen, häufig zähle ich einfach nur die Maschen mit oder denke an gar nichts. 


Und nach einigen kleineren Strickprojekten kam auch die Lust und die Ausdauer wieder zurück, sich an größere Arbeiten heranzutrauen. Ein Cardigan ist entstanden aus dreizehn Knäuel Wolle und drei unterschiedlichen Rundstricknadeln, mit Maschen-markierern. Um all diese Utensilien immer passend zur Hand zu haben und nicht immer in irgendwelchen Beuteln herumkramen zu müssen, habe ich mit meine erste Projekttasche genäht. 



Mit genügend Raum für Wolle, aber auch praktischen Fächern für die Aufbewahrung der Nadeln. So ein Handarbeitsutensilo ist aber nicht nur praktisch  - ja , ich finde inzwischen auch die Maschenmarkierer auf Anhieb wieder - er ist ein richtig heimeliges Wohnaccessoire. Es sieht so hyggelig aus , wenn dieser Korb neben dem Sessel steht. Jederzeit einsatzbereit für ein paar Minuten Auszeit. 





Perfekt für ein solches Projekt geeignet ist ein schwerer Stoff mit guten Stand. Hier habe ich den Baumwoll-Leinen Stoff Kokka Tréfle Jute mit weißen Farbkleksen  gemixt mit einem blauen Canvas von Robert Kaufmann verwendet. Beides tolle Taschenstoffe, die sich unter den Nähnadeln prima verarbeiten ließen. Ein kleiner Ledergriff an der Seite, den ich mit Buchschrauben befestigt habe und eine naturfarbenen Kordel runden das Gesamtwerk ab. 




Ich bin gerüstet für die nächsten Strickprojekte. 
Übrigens hat mein Sohn mich neulich auch gefragt, ob ich ihm mal zeigen könnte, wie das geht mit dem Stricken.......aber gern doch.



Den Schnitt für diese Tasche habe ich mir selbst enwtworfen.
Die beiden Stoffe sind aus dem Shop von LoNeJo und wurden mir für das Nähen eines Designbeispiels kostenfrei zur Verfügung gestellt. 








Mittwoch, 11. April 2018

Meine erste selbst genähte Jeans.....

Wow, was soll ich sagen.... Ja, ich habe es auch geschafft und habe mir eine Jeans selbst genäht. Damit habe ich im Entwicklungsstadium der Hobbynäherin wohl quasi den Olymp erreicht.

Und mit Hose meine ich nicht einfach nur vier zusammengenähte Hosenteile mit Gummizug, sondern so eine wirklich echte Hose mit Knopfleiste, Untertritt, Taschen,  Bündchen und Gürtelschlaufen. 

Das hört sich nach einer Menge Schnitteile und technischer Raffinesse an. Ist es aber gar nicht. Gut, es sind schon ein paar Schnitteile mehr, als bei einem Shirt oder einem Sweater. Aber selbst ich, als zugegebenermaßen echter  Neuling in der Hosennäherei, fand die Anzahl und die Zusammensetzung der Schnittteile für diese Jeans überschaubar und zusammenhängend.




Aber was ist dieser ganze technische Kleinkram im Vergleich zu der Erkenntnis , mein Hintern passt dort perfekt rein. Ich kann Euch sagen, spannender kann es beim Nähen kaum zugehen, bis zu diesem ersten Moment, wo man diese halb zusammengenähte Hose das erste Mal anprobiert.




Bisher bescherte mir das Hosen anprobieren in einem Geschäft meist eher Frust als Gute Laune. Und ich glaube, da bin ich bei Weitem nicht die Einzige. Aber warum ist es denn viel schwerer für die untere Hälfte des Körpers ein passendes Kleidungsstück zu finden, als für die obere Hälfte?




Eine Hose muss einfach gut sitzen. Und das ist meiner Meinung nach völlig unabhängig von der Figur. Egal ob Frau groß oder klein, dick oder dünn, O- oder X-Beinig ist, bei Hosen muss einfach die Passform stimmen. Hüfte, Po, Ober- und Unterschenkel sind bei uns allen so individuell, dass es wohl kaum die perfekte Passform für alle gibt. Und ich bin der festen Überzeugung, dass bei Hosen einfach alles perfekt sitzen muss, bei Oberteilen sind wir eher bereit, Kompromisse hinzunehmen. Wenn zum Beispiel die Schulter nicht richtig sitzt oder die Ärmellänge nicht perfekt ist, wird eher drüber hinweggesehen, als eine Hose, deren Hintern irgendwo hängt, wo er eigentlich nicht hingehört.



Ich bin noch in einer Zeit aufgewachsen, als Jeans völlig revolutionär plötzlich mit unterschiedlichen Beinlängen in den Geschäften lagen. Heutzutage gibt es für Hosen nicht nur alle gängigen Beinlängen, sondern so viele unterschiedliche Passformen. Von Highwaist bis Slimleg unterstützt die Bekleidungsindustrie unsere Individualität und bevorzugte Passform. Jeder der mit sich und seiner Individualität kritisch umgeht, weiß im Grunde, welche Passform ihm guttut, welche bequem ist, in welcher Hosenform man sich einfach wohl fühlt. Darum sollte man, wenn man mit dem Gedanken spielt, sich eine Hose selbst zu nähen auch zu einer Passform greifen, die man vielleicht schon selber im Kleiderschrank hängen hat und von der man weiß, dass sie einem gefällt. 




So geschehen hier bei meinem aktuellen Nähprojekt , der Jeans nach dem Schnitt Gloria von Katrin (aka freuleins) . Eine lässige Boystyle Hose, in der auch kräftigere Oberschenkel sich wohl fühlen und die mit ihrem lässigen Style überzeugt. Das Nähen war mit der gut bebilderten Anleitung überhaupt kein Problem, auch wenn Begriffe, wie Untertritt und Untertrittbeleg noch nicht fest im Kopf verankert sind, mit Hilfe der Fotoanleitung habe ich Step by step alle Teile zusammengesetzt. Geheftet, anprobiert, neu geheftet, zusammengenäht, dazwischen ein paar Tage Pause eingelegt, weitergenäht, Knopflöcher besiegt, wieder anprobiert, noch mal ein wenig aus der Passe an Weite genommen und fertig, passt. Ist ganz einfach, traut euch....



Schnitt Gloria von Freuleins wurde mir im Rahmen des Probenähens kostenlos zur Verfügung gestellt, alle sonstigen Materialien habe ich selbst gekauft und die Nähzeit wurde mir von meiner Familie gesponsert
Schaut auch gern hier vorbei, dort findet ihr viele weitere Beispiele dieses Schnittes
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